Die Gruselserie lebt! – Ein Interview mit Thomas Birker (DreamLand Productions)

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Über Hörspiele und Veranstaltungen in dem Zusammenhang zu informieren, ist ja schon ganz nützlich und interessant, aber noch interessanter kann es werden, wenn man sich mal mit einem Hörspielmacher unterhält. Entsprechend möchten wir künftig an dieser Stelle auch mal das ein oder andere Interview bringen.

Gleich zu Anfang stand uns Thomas Birker, der Kopf von DreamLand Productions Rede und Antwort. Viel Spaß!

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Hallo Thomas, erstmal vielen Dank, das Du Dir für uns die Zeit nimmst und uns ein paar kleine Fragen zu Deinem Label DreamLand Productions beantwortest.                                                                                                                                   Du produzierst mit DreamLand nun schon seit über 10 Jahren Hörspiele. In diesen 10 Jahren ist ja nicht nur bei DreamLand viel passiert, sondern auch das Kaufverhalten der Konsumenten hat sich stark gewandelt.                        Hast Du es bei all den Streaming-Diensten und Möglichkeiten zum illegalen Download je bereut, in die Branche eingestiegen zu sein? Und was lässt Dich immer noch tapfer durchhalten?

Ich freue mich immer wenn man sich für unsere Hörspiele interessiert, denn wie Du richtig schreibst es ist beim besten Willen nicht leicht so lange durchzuhalten und zu sehen, wie dein Herzblut und die vielen Stunden Arbeit oft nicht entlohnt werden, sondern einfach illegal herunter geladen werden. Ich bin sehr froh, dass ich nicht hauptberuflich Hörspielproduzent geworden bin, sonst wäre es mir sicher ähnlich ergangen wie so manch anderem Kollegen, der in diesen 10 Jahren gehen musste. Wobei wir aber auch immer geschaut haben, was möchten unsere Hörer und waren stets im Gespräch mit diesen. Mein Team und ich lieben Hörspiele und das Produzieren solcher. Streaming-Dienste sind im Gegensatz zu illegalen Downloads eine Sache unserer Zeit. Unser Partner Sebastian Pobot (Highscore Music, Maritim) setzt auf diese und es gibt wenigstens ein paar Cent für jedes Hörspiel das dort von uns gehört wird.                                                                                                                                                                                           Wer uns aber etwas gutes tun möchte, kauft bitte unsere Hörspiele, denn dadurch bekommen wir das meiste Geld und dieses sorgt dafür, dass wir weiter produzieren können.

Neben Euren Zugpferden „DreamLand Grusel“ und „Tony Ballard“ habt Ihr ja auch einige Hörspiele, die nicht unbedingt im Gruselsektor anzusiedeln sind. Seit einiger Zeit habt Ihr Euch „Der Trotzkopf“ vorgenommen und auch schon zwei Folgen veröffentlicht. Auf der anderen Seite habt Ihr auch ältere Serien, wie z. B. DreamLand Action, die nicht fortgeführt wurden. Wie sieht es in dem Bereich zukünftig aus? Habt Ihr dahingehend Pläne?

Folge 2 aus der Serie "Dreamland Action"
Folge 2 aus der Serie „Dreamland Action“

Wir haben einiges versucht, ob Jugendhörspiele wie „Code Name SAM“ oder „Andi Meisfeld“, Action mit einer Priese „Larry Brent“ bei „DreamLand Action“, Mystery bei Twilight Mysteries“ oder aktuell „Der Trotzkopf“. Leider waren all diese Produktionen nicht von großem Erfolg verwöhnt. Obwohl die Hörer der Serien „Andi Meisfeld“, „DreamLand Action“ und vor allem „Der Trotzkopf“ absolut begeistert sind bzw. waren. Aber was bringt es, wenn es die Produktionskosten nicht gedeckt sind? „Andi Meisfeld“ wird von Tom Steinbrecher als Liebhaberproduktion weiter gemacht und „Der Trotzkopf“ wird bis einschließlich Folge 4 veröffentlicht. Das bedeutet, die Serie wird einen guten Abschluss haben, da die vier Folgen das erste Buch abdecken und dieses stand, als es veröffentlicht wurde, seinerzeit ja auch als Buch alleine, bis die Tochter der Autorin die Bücher 2 und 3 später dazu schrieb. Aus diesen leider ausbleibenden Erfolgen haben wir gelernt und deshalb auch die geplante „Edgar Wallace“-Reihe eingestampft, da es mit Hörplanet, Zaubermond und den zurückgekehrten Sven Schreivogel-Umsetzungen bereits zu voll auf dem Markt wurde und das, obwohl das erste Dialogbuch bereits stand.

Wir bleiben für’s erste bei den Produktionen die unsere Hörer in großer Zahl lieben und dies sind „DreamLand Grusel“ und „Tony Ballard“. Auch wenn wir so manche schöne Idee in der Schublade hätten.

Bei DreamLand Grusel wird sich in nächster Zeit ja einiges tun. Zumindest habt Ihr auch die Info rausgegeben, das im Rahmen von DreamLand Grusel einige Klassiker erscheinen werden, die allerdings auch bei anderen Labels (Namen nennen wir jetzt mal nicht 😉 ) erscheinen. Wie verhält es sich damit?

Wir hatten erst überlegt eine „Jules Verne“ und eine „H. G. Welles“-Reihe zu bringen, aber uns ist es einfach zu riskant, ob sich diese auch verkaufen werden. Daher haben wir uns entschieden, die „Jules Verne“-Reihe schweren Herzens gehen zu lassen. Wie seiner Zeit auch die Hörspielreihe „Geschichten die Geschichten schrieben“. „H. G. Welles“-Klassiker werden, da sie gut passen, in unserer „DreamLand Grusel“-Reihe erscheinen. Denn Anfang wird wohl „Der Unsichtbare“ machen, gefolgt von „Krieg der Welten“ u. a..                                                                                    Wir lieben diese Klassiker einfach und freuen uns auf die Umsetzung. (Wir uns auf das Ergebnis! – Die Red.)

Weiterhin wird es neue Geschichten von Talenten die noch nicht so bekannt sind geben (Evelyn Boyd, Raimund Junker, Lutz Röder u. a.), gute Geschichten der Romanliteratur (H. G. Francis, Manfred Weinland, Cedric Balmore, A. F. Morland u. a.), Umsetzungen von Geschichten die bei kleineren Verlagen erschienen („Der Atem des Rippers“ u. a.). Und auch zwei, auf der bekannten Neon Gruselserie von Europa beruhende Geschichten, sind in Planung.

Ich hab so nebenbei mal mitbekommen, dass Ihr für die Produktionen einen ziemlichen Aufwand betreibt. So reist Du auch mal in andere Städte um dort in lokalen Studios mit den Sprechern zu arbeiten, anstatt wie andere Labels ein fixes Studio zu haben und dort die Sprecher aufzunehmen. Magst Du uns eventuell etwas über den Produktionsablauf erzählen? Wie können wir uns die Produktion eines neuen DreamLand-Hörspiels vorstellen?

Folge 25 der erfolgreichen Mystery-Crime-Serie "Tony Ballard"
Folge 25 der erfolgreichen Mystery-Crime-Serie „Tony Ballard“

Es ist einfach besser und einfacher dort die Studios zu mieten, wo die Sprecher zu Hause sind und diese sind vor allem in Hamburg, Berlin und München zu Hause. Wer kann sich schon drei Tonstudios leisten 😉 Dazu nehmen wir aber auch hier in Nidderau auf, wo wir zu Hause sind. Aber mit dieser Art der Produktion stehen wir nicht alleine auch unsere befreundeten Kollegen von der R & B Company, Contendo Media oder Ivar Leon Menger machen dies so.

Wie entsteht ein Hörspiel von DreamLand Productions? Ich suche Geschichten aus, die sich gut zur Vertonung innerhalb „DreamLand Grusel“ anbieten und kaufe die Rechte ein, in sofern sie nicht schon eingekauft sind, da wir bereits Optionen auf über 50 Geschichten haben. Oder lasse ganz neue Geschichten nach meinen Ideen oder den Ideen befreundeter Autoren schreiben. Bei „Tony Ballard“ schaue ich in der Romanheftserie nach, welche Romane wichtig waren und welche Einzelgeschichten es sich lohnt zu bringen. Diese lese ich noch einmal, machen mir meine Notizen und schreibe dann die Dialogbücher. Alle Fremdautoren Geschichten werden von mir nach Fertigstellung gesichtet und eventuell bearbeitet. Dann ist Alex Streb dran, lektoriert diese und macht manchmal noch einen Feinschliff. Während des Schreibens oder Lesens mache ich mir Gedanken über die Besetzungen, spreche mit den Autoren und kläre die Termine mit den Tonstudios ab.

Dann gehe ich an die Buchung der Sprecherinnen und Sprecher und gebe den Zeichnern die Aufträge für die Cover bzw. bei „Tony Ballard“ suche ich die alternativem Cover raus, sollten die Cover der Romane nicht von Ugurcan Yüce waren, dessen Rechte wir halten.

Sobald alles steht, gehen wir für ca. 14 Tage auf Deutschlandreise und nehmen alle Sprecher auf. Dies geschieht übrigens hauptsächlich in Berlin bei David Riedels „2day Productions“, Kay Poppes „FX:One“ Tonstudio in Hamburg.

Mit den Aufnahmen geht es nach Hause und es wird ein Hörspiel nach dem anderen, je nach dem wie sie erscheinen von mir oder Paul Burghardt geschnitten. Dieses Sprecherprojekt geht zu Tom Steinbrecher der daraus unsere fertigen Hörspiele zaubert. Ich höre mir dies an, teilweise mit den Autoren und entscheide was noch geändert wird. Dies braucht zwischen 2 und 4 Gänge und dann geht das Hörspiel ins Presswerk.

Währenddessen haben auch die Zeichner ihre Arbeit gemacht, die ebenfalls von mir abgesegnet wird und Ivo Scheloske macht die Bearbeitung für die fertigen Booklets.

Dies wird ebenfalls ans Presswerk geschickt und ca. 14 Tage später halten wir unsere neuste Produktion in Händen.

Bevor wir zum Ende kommen, noch die übliche Frage zur Zukunft des Hörspiels und zu DreamLand im Besonderen. Am 1.7. erscheint Folge 25 von DreamLand Grusel. Wie steht es mit Eurer bekannten Gruselserie? Wollt Ihr die hundert noch voll machen? Und wie beurteilst Du die Entwicklung auf dem Hörspielmarkt?

Wenn die Hörer/Käufer und unser Partner Sebastian uns dabei helfen wollen wir sehr gerne noch viele Jahre und Folgen unsere Serie „Tony Ballard“ und unsere Reihe „DreamLand Grusel“ Fortsetzen. Bis jeweils Folge 50 steht schon mehr oder weniger die Planung und das macht uns sehr stolz und glücklich. Wir feiern jetzt bei beiden Projekten Folge 25, haben bereits bis Folge 30 „DreamLand Grusel“ und bis Folge 28 „Tony Ballard“ aufgenommen.

Der Hörspielmarkt scheint sich nach der sehr heftigen Talfahrt 2008/2009 wieder etwas beruhigt zu haben und wir schauen der Zukunft Dank Euch allen positiv entgegen.

Folge 25 der Dreamland Grusel-Serie erscheint am 1. Juli
Folge 25 der Dreamland Grusel-Serie erscheint am 1. Juli

Wir bedanken uns vielmals für das Interview und wünschen Dir und DreamLand Productions viel Erfolg!

Danke und auch Dir mit der Hörspielbude viel Erfolg!

 

 

Das Copyright für die Bilder in diesem Beitrag liegt DreamLand Entertainment, Nidderau.

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Frank Kindermann
Über Frank Kindermann 10 Artikel
Hallo, mein Name ist Frank und als Jahrgang 1974 bin ich ein typisches Kassettenkind. Hörspiele lassen mich seit meiner Kindheit nicht los und als Betreiber der Hörspielbude, sowie als Autor und ab und an auch Sprecher, sind sie sowas wie mein Beruf geworden.

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